Roberto De Zerbi und seine Fußballphilosophie erklärt

Arno Gebhardt 13. September 2026
Zwei Fußballtrainer, einer mit Kappe, lachen sich an. De Zerbi, der Trainer von Brighton, legt dem anderen die Hand auf die Schulter.

Inhaltsverzeichnis

Wer verstehen will, warum Roberto De Zerbi heute zu den auffälligsten Trainern Europas zählt, sollte nicht nur auf Ergebnisse schauen. Entscheidend sind sein mutiger Spielaufbau, die intensive Arbeit mit Räumen und die Bereitschaft, Gegner bewusst aus der Position zu locken. Hier ordne ich seine Karriere, seine taktischen Prinzipien und den praktischen Nutzen für modernes Fußballtraining ein.

Die wichtigsten Punkte zu seiner Trainerkarriere auf einen Blick

  • Aktuelle Station: Seit dem 31. März 2026 ist er Cheftrainer von Tottenham Hotspur.
  • Karriereweg: Seine Entwicklung führte ihn von italienischen kleineren Vereinen über Sassuolo und Schachtar Donezk nach England und Frankreich.
  • Spielidee: Im Mittelpunkt stehen kontrollierter Spielaufbau, kurze Abstände und mutige Lösungen unter gegnerischem Druck.
  • Größter Erfolg: Mit Brighton erreichte er die beste Premier-League-Platzierung der Vereinsgeschichte und erstmals europäischen Fußball.
  • Trainingswert: Seine Prinzipien lassen sich vor allem über Positionsspiele, Überzahlübungen und pressingsichere Spielformen vermitteln.

Taktische Analyse: De Zerbi's Team formiert sich. Estupiñán und Mitoma im Angriff, Welbeck und Dunk im Mittelfeld.

Vom italienischen Unterbau auf die große Bühne

Der Italiener begann seine Trainerlaufbahn nach dem Ende seiner aktiven Karriere im Jahr 2013 bei Darfo Boario. Danach arbeitete er unter anderem bei Foggia, Palermo und Benevento, bevor Sassuolo zum entscheidenden Entwicklungsschritt wurde. Dort formte er eine Mannschaft, die trotz begrenzter Mittel durch Ballbesitz, offensive Bewegungen und technisch sauberen Fußball auffiel.

Mit Sassuolo gelangen zwei achte Plätze in der Serie A. Das war mehr als eine ordentliche Platzierung, denn die Mannschaft spielte aktiv und blieb auch gegen stärkere Gegner ihrer Idee treu. Für mich liegt genau darin der wichtigste Karrierebaustein: Er zeigte, dass eine klare Spielstruktur nicht zwingend von einem Kader voller Weltstars abhängt.

Zeitraum Verein Was besonders auffiel
ab 2013 Darfo Boario Einstieg in den Trainerberuf
2014 bis 2016 Foggia Offensiver Fußball und der Gewinn der Coppa Italia Serie C
2018 bis 2021 Sassuolo Zwei achte Plätze in der Serie A und hohe spielerische Anerkennung
2021 bis 2022 Schachtar Donezk Ukrainischer Supercup und Teilnahme an der Champions-League-Gruppenphase
2022 bis 2024 Brighton Sechster Platz in der Premier League und erste Europapokalqualifikation des Vereins
2024 bis Februar 2026 Olympique Marseille Vizemeisterschaft in der Ligue 1 in der Saison 2024/25
seit März 2026 Tottenham Hotspur Neue Aufgabe in der Premier League

Was seinen Fußball taktisch besonders macht

Die Mannschaften des Trainers wollen den Ball nicht einfach möglichst lange halten. Sie nutzen den Ballbesitz, um den Gegner zu bewegen und anschließend Räume zu öffnen. Typisch ist ein Aufbau, bei dem Torhüter und Innenverteidiger den ersten Druck bewusst annehmen, bevor ein Pass ins Mittelfeld oder auf den freien Außenverteidiger folgt.

Risiko im Spielaufbau

Ein zentrales Prinzip ist das Herauslocken des Pressings. Zieht die erste Linie des Gegners nach vorne, kann dahinter ein freier Raum entstehen. Ein technisch starker Mittelfeldspieler löst die Situation dann mit einem offenen Körper, einer schnellen Drehung oder einem direkten Pass auf den dritten Spieler.

Diese Idee verlangt Mut, Präzision und klare Abstände. Ein Fehlpass in der ersten Linie kann sofort gefährlich werden. Deshalb reicht es nicht, den Spielern nur zu sagen, sie sollen hinten herausspielen. Sie brauchen feste Anspielwinkel, gute Abstände und mehrere Anschlussoptionen.

Positionswechsel mit Zweck

Bei den Rotationen geht es nicht um Bewegung um der Bewegung willen. Ein Außenverteidiger kann einrücken, damit der Flügelspieler breit bleibt. Ein Achter kann sich fallen lassen, damit ein Stürmer zwischen den Linien auftaucht. Entscheidend ist, dass jede Bewegung eine gegnerische Entscheidung erzwingt.

Ich halte diesen Punkt für besonders lehrreich für Nachwuchstrainer. Freies Positionsspiel funktioniert nur dann, wenn die Spieler verstehen, welchen Raum sie öffnen und welcher Mitspieler ihn besetzen soll. Ohne dieses Verständnis wird aus Flexibilität schnell Unordnung.

Warum Brighton zum wichtigsten Beleg seiner Arbeit wurde

Bei Brighton zeigte sich der Ansatz besonders deutlich. Die Mannschaft kombinierte einen kontrollierten Aufbau mit aggressivem Gegenpressing und schnellen Angriffen nach Ballgewinn. In seiner ersten vollständigen Premier-League-Saison erreichte der Verein Platz sechs und qualifizierte sich erstmals für einen europäischen Wettbewerb.

Der Erfolg war nicht allein eine Folge schöner Kombinationen. Brighton konnte Gegner im Zentrum überladen, den Ball nach Verlust schnell zurückerobern und Angriffe mit vielen Spielern unterstützen. Gleichzeitig blieb die Mannschaft verwundbar, wenn der erste Aufbaupass nicht sauber gespielt wurde oder die Restverteidigung zu offen stand.

Genau diese Einschränkung wird oft unterschätzt. Ein offensiver Ballbesitzstil braucht eine starke Absicherung hinter dem Ball. Mindestens zwei bis drei Spieler müssen bereit sein, Konter zu kontrollieren, während die übrige Mannschaft nach vorne schiebt. Sonst wird aus Dominanz ein unnötiges Risiko.

Wie seine Prinzipien im Training umgesetzt werden können

Wer Elemente dieses Fußballs trainieren möchte, sollte nicht mit langen Taktikvorträgen beginnen. Besser sind kleine Spielformen mit klaren Regeln, die eine bestimmte Entscheidung provozieren. Die Spieler lernen dadurch nicht nur eine Laufroute, sondern den passenden Moment für eine Lösung.

Übung für den Spielaufbau

Eine sinnvolle Spielform besteht aus Torhüter, vier Aufbauspielern und drei anlaufenden Gegnern gegen zwei Mittelfeldspieler und ein Zieltor. Die Angreifer versuchen, den Ball kontrolliert über eine markierte Linie zu bringen. Für einen erfolgreichen Durchbruch gibt es einen Punkt.

  • Feldgröße etwa 30 x 25 Meter
  • Belastungsdauer pro Durchgang 3 bis 4 Minuten
  • Vier bis sechs Durchgänge mit kurzen Pausen
  • Zusatzregel: Der Pass in die nächste Zone muss mit offenem Körper angenommen werden

Die Übung schult Wahrnehmung, Körperstellung und das Erkennen des dritten Spielers. Wichtig ist, den Ball nicht künstlich um jeden Preis flach herauszuspielen. Wenn der Gegner den Raum perfekt schließt, darf ein diagonaler oder längerer Pass die bessere Entscheidung sein.

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Übung für Gegenpressing und Restverteidigung

In einer zweiten Spielform spielen sechs Angreifer gegen fünf Verteidiger auf zwei Tore. Nach jedem Ballverlust haben die Angreifer sechs Sekunden Zeit, den Ball zurückzugewinnen. Gelingt das nicht, müssen sie sofort hinter eine Sicherungslinie zurückfallen.

So lernen die Spieler den Unterschied zwischen Gegenpressing und blindem Hinterherlaufen. Der erste Spieler attackiert den Ball, der zweite schließt die wahrscheinlichste Passlinie und der dritte sichert den Raum dahinter. Diese Rollenverteilung macht den Unterschied zwischen kontrolliertem Druck und hektischem Chaos.

Tottenham als nächste Bewährungsprobe

Seit dem 31. März 2026 arbeitet Roberto De Zerbi bei Tottenham Hotspur. Der Schritt ist logisch, aber anspruchsvoll: Ein großer Klub erwartet nicht nur attraktive Spielkontrolle, sondern auch schnelle Ergebnisse, stabile Leistungen und den Umgang mit erheblichem Erwartungsdruck.

Für Tottenham wird entscheidend sein, wie schnell die Mannschaft seine Prinzipien verinnerlicht. Besonders wichtig sind ein Torhüter mit guter Passqualität, Innenverteidiger mit Ruhe unter Druck und Mittelfeldspieler, die sich auch in engen Räumen behaupten. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, muss der Trainer seine Idee pragmatisch anpassen.

Ich würde deshalb nicht erwarten, dass eine neue Mannschaft sofort wie ein fertiges Positionsspiel-Team aussieht. Realistisch ist zunächst eine Übergangsphase von mehreren Monaten, in der Automatismen, Fitness und Entscheidungsqualität zusammenwachsen. Der langfristige Erfolg hängt davon ab, ob die Spieler Risiko und Verantwortung akzeptieren.

Was Trainer aus seiner Arbeit mitnehmen können

  • Spielaufbau braucht Abstände: Gute Technik hilft wenig, wenn die Passwinkel fehlen.
  • Ballbesitz ist ein Werkzeug: Der Ball soll Gegner bewegen und Räume öffnen, nicht nur die Statistik füllen.
  • Risiko muss abgesichert werden: Jede offensive Bewegung braucht eine passende Restverteidigung.
  • Training muss Entscheidungen erzeugen: Kleine Spielformen sind oft wertvoller als isolierte Passübungen.
  • Flexibilität braucht Prinzipien: Positionswechsel funktionieren nur, wenn die Spieler ihre Aufgaben verstehen.

Der vielleicht wichtigste Lerneffekt liegt für mich darin, dass attraktiver Fußball nicht bei der Formation beginnt. Er entsteht durch wiederholte Entscheidungen unter Druck, durch passende Abstände und durch Spieler, die wissen, wann sie einen riskanten Pass suchen und wann sie das Spiel beruhigen müssen.

Warum seine Entwicklung für den modernen Fußball interessant bleibt

Roberto De Zerbi steht für eine Trainergeneration, die Technik, Taktik und Mut eng miteinander verbindet. Seine Karriere zeigt zugleich, dass eine erkennbare Spielidee Zeit, passende Spieler und tägliche Detailarbeit braucht. Wer nur die spektakulären Aufbaupässe kopiert, übernimmt höchstens die Oberfläche.

Für Vereine und Trainer ist der nachhaltigere Ansatz, die dahinterliegenden Prinzipien zu übernehmen: Überzahl schaffen, Gegner locken, Räume erkennen und nach Ballverlust gemeinsam reagieren. Genau dort liegt der praktische Wert seiner Arbeit, unabhängig davon, bei welchem Klub er gerade an der Seitenlinie steht.

Häufig gestellte Fragen

Nach dem Einstieg 2013 bei Darfo Boario arbeitete De Zerbi unter anderem bei Foggia, Palermo und Benevento. Prägend waren Sassuolo mit zwei achten Plätzen in der Serie A, Brighton mit Platz sechs und der ersten Europapokalqualifikation des Vereins sowie später Marseille und Tottenham.

Torhüter und Innenverteidiger nehmen den ersten Druck bewusst an, um dahinter Räume zu öffnen. Ein Mittelfeldspieler kann den Ball dann mit offenem Körper, einer schnellen Drehung oder einem Pass auf den dritten Spieler weiterleiten. Dafür braucht die Mannschaft klare Abstände, Anspielwinkel und Anschlussoptionen.

Eine passende Spielform setzt Torhüter, vier Aufbauspieler und drei anlaufende Gegner gegen zwei Mittelfeldspieler und ein Zieltor ein. Auf einem etwa 30 x 25 Meter großen Feld dauern die Durchgänge 3 bis 4 Minuten, insgesamt sind vier bis sechs Durchgänge vorgesehen. Ein Punkt zählt, wenn der Ball kontrolliert über die markierte Linie gelangt.

Bei sechs Angreifern gegen fünf Verteidiger auf zwei Tore haben die Angreifer nach einem Ballverlust sechs Sekunden für die Rückeroberung. Gelingt sie nicht, ziehen sie sich hinter eine Sicherungslinie zurück. Der erste Spieler attackiert den Ball, der zweite schließt die wahrscheinlichste Passlinie und der dritte sichert den Raum dahinter.

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Autor Arno Gebhardt
Arno Gebhardt
Mein Name ist Arno Gebhardt und ich bringe über 10 Jahre Erfahrung im Bereich Fußballwissenschaft, Leistung und Training mit. Meine Begeisterung für diesen Sport begann schon in meiner Kindheit, als ich selbst aktiv spielte und schnell erkannte, wie vielschichtig und faszinierend die Welt des Fußballs ist. Ich schreibe über verschiedene Aspekte des Spiels, von der optimalen Trainingsgestaltung bis hin zu den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, die die Leistung von Athleten beeinflussen können. In meinen Artikeln lege ich großen Wert darauf, komplexe Themen verständlich zu machen und aktuelle Trends zu beleuchten. Ich überprüfe sorgfältig meine Quellen und vergleiche Informationen, um sicherzustellen, dass meine Leser stets präzise und nützliche Inhalte erhalten. Mein Ziel ist es, die Leser zu informieren und ihnen dabei zu helfen, die Herausforderungen und Chancen im Fußball besser zu verstehen.

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