Ein Pass über zehn Meter kann taktisch wertvoller sein als ein 30-Meter-Ball, wenn er dabei mehrere Gegenspieler aus dem Spiel nimmt. Genau an diesem Punkt setzt das Packing an: Die Kennzahl zeigt, wie viele Gegner ein Spieler oder eine Mannschaft durch Pässe, Dribblings oder andere Aktionen überspielt. Ich erkläre, wie das Prinzip funktioniert, welche Beispiele besonders aussagekräftig sind und warum die Zahl immer zusammen mit dem Spielkontext bewertet werden sollte.
Die wichtigsten Fakten zum Packing auf einen Blick
- Grundidee: Gemessen wird, wie viele Gegenspieler durch eine Aktion überspielt werden.
- Besonders wertvoll sind vertikale Pässe, die eine gegnerische Linie durchbrechen.
- Die Packing-Rate fasst die überspielten Gegner eines Spielers oder Teams über einen Zeitraum zusammen.
- Null überspielte Gegner bedeutet nicht automatisch einen schlechten Pass, etwa bei einem sicheren Querpass.
- Entscheidend bleibt der Kontext: Raumgewinn, Anschlussaktion, Ballverlust und Torchance gehören zur vollständigen Bewertung.
Was ist Packing im Fußball?
Mit Packing wird im Fußball eine Analysekennzahl für effektive Aktionen bezeichnet. Sie zählt, wie viele Gegenspieler ein Spieler mit einem erfolgreichen Pass oder Dribbling hinter sich lässt, sodass diese im unmittelbaren weiteren Spielverlauf nicht mehr zwischen Ball und gegnerischem Tor stehen.
Ein Beispiel macht das Prinzip klar. Ein Innenverteidiger spielt einen flachen Pass ins Mittelfeld, der zwei gegnerische Stürmer und den ersten Sechser überspielt. Er hat damit im klassischen Verständnis drei Gegner gepackt. Der Pass muss dabei nicht besonders lang sein. Entscheidend ist, ob er die gegnerische Ordnung durchbricht.
Bekannt wurde das Konzept im deutschen Fußball vor allem durch Stefan Reinartz und Jens Hegeler. Es sollte eine Lücke zwischen einfachen Statistiken wie Ballbesitz oder Passquote und der tatsächlichen spielerischen Wirkung einer Aktion schließen.
Wie wird die Kennzahl berechnet?
Die Berechnung wirkt zunächst einfach, ist in der Praxis aber von der jeweiligen Datendefinition abhängig. Grundsätzlich wird geprüft, welche Gegenspieler zum Zeitpunkt der Aktion zwischen Ball und Tor stehen und durch den Pass oder das Dribbling überspielt werden.
Das Grundprinzip bei einem Pass
- Der Passgeber spielt den Ball zu einem Mitspieler.
- Zwischen Passgeber und Passempfänger befinden sich Gegenspieler.
- Der Passempfänger kontrolliert den Ball oder kann direkt weiterspielen.
- Die überspielten Gegner befinden sich nun hinter dem Ball oder außerhalb ihrer unmittelbaren Eingriffsmöglichkeit.
Ein Pass zurück zum Torwart erhält deshalb normalerweise keinen hohen Packing-Wert. Ein Zuspiel vom Innenverteidiger in den Fuß des Zehners kann dagegen mehrere Gegner überspielen, selbst wenn der Ball nur 15 Meter unterwegs ist. Richtung und Wirkung zählen mehr als die reine Passdistanz.
Packing und Packing-Rate
Der Wert einer einzelnen Aktion beschreibt die Zahl der überspielten Gegenspieler. Die Packing-Rate summiert solche Aktionen über ein Spiel, eine Spielphase oder mehrere Partien. So lässt sich erkennen, welcher Spieler regelmäßig zur Überwindung gegnerischer Linien beiträgt.
| Aktion | Möglicher Wert | Taktische Bedeutung |
|---|---|---|
| Querpass zwischen Innenverteidigern | 0 | Sichert den Ballbesitz, verändert aber die gegnerische Ordnung kaum. |
| Pass ins zentrale Mittelfeld | 1 bis 3 | Überspielt die erste Pressinglinie und ermöglicht einen kontrollierten Aufbau. |
| Steilpass in den Zwischenlinienraum | 2 bis 5 | Bringt den Ball hinter mehrere Gegenspieler und öffnet neue Anschlussoptionen. |
| Dribbling ins letzte Drittel | 1 bis 4 | Erzeugt direkten Raumgewinn und kann eine Überzahl am Flügel oder im Zentrum schaffen. |
Die Zahlen in der Tabelle sind typische Größenordnungen, keine universellen Normwerte. Anbieter können unterschiedlich zählen, etwa abhängig davon, ob ein Gegner sofort wieder eingreifen kann oder ob die Aktion erfolgreich abgeschlossen wurde.

Warum Packing für die Taktik interessant ist
Eine Mannschaft kann den Ball lange halten und trotzdem kaum Fortschritt erzielen. Viele sichere Pässe erzeugen dann vor allem Zirkulation. Packing hilft mir dabei zu erkennen, ob ein Team mit seinem Ballbesitz tatsächlich gegnerische Strukturen aufbricht.
Besonders wichtig ist das Überspielen von Linien. Ein Pass durch die erste Pressinglinie bringt den Ball aus dem Bereich der gegnerischen Stürmer ins Mittelfeld. Ein weiterer Pass in den Raum hinter der Sechserlinie kann bereits den Weg in Richtung Strafraum vorbereiten.
Vertikalpass statt bloßem Ballbesitz
Ein vertikaler Pass ist ein Zuspiel mit deutlicher Bewegung in Richtung gegnerisches Tor. Er ist nicht automatisch die beste Lösung, doch wenn der Empfänger offen aufdrehen kann, entstehen oft mehrere Vorteile zugleich. Die gegnerische Defensive muss nach hinten reagieren, der nächste Mitspieler erhält mehr Zeit und die Abstände zwischen den Linien werden größer.
Ich sehe gerade im Jugend- und Amateurfußball häufig, dass ein riskanter Pass nur nach seiner Länge beurteilt wird. Das greift zu kurz. Ein flacher Pass durch zwei Gegner kann taktisch wertvoller sein als ein hoher Ball nach vorn, der zwar Raum überbrückt, aber den eigenen Angriff sofort wieder in einen Zweikampf zwingt.
Das Zusammenspiel mit Raumgewinn
Ein hoher Packing-Wert ist besonders interessant, wenn der Passempfänger anschließend mit Blick zum Tor weiterspielen kann. Wird der Ball zwar an mehreren Gegnern vorbeigespielt, landet aber unter starkem Druck beim Empfänger, war die Aktion statistisch erfolgreich, praktisch jedoch nur bedingt hilfreich.
Darum sollte man Packing mit weiteren Informationen verbinden. Dazu gehören die Position des Empfängers, die Anschlussaktion, der Raumgewinn, die Ballverlustwahrscheinlichkeit und die Entwicklung des Angriffs in den nächsten Sekunden.
Konkrete Beispiele aus verschiedenen Spielsituationen
Der Aufbau gegen hohes Pressing
Der gegnerische Stürmer läuft den Innenverteidiger an. Statt zum Außenverteidiger zu passen, spielt dieser einen flachen Ball auf den abkippenden Sechser. Wenn dadurch der Stürmer und der gegnerische Zehner überspielt werden, entsteht im Mittelfeld eine freie Anspielstation.
Der entscheidende Vorteil liegt nicht nur in der Zahl von möglicherweise zwei überspielten Gegnern. Der Sechser kann das Spiel drehen, einen Außen öffnen oder direkt den nächsten Zwischenlinienraum attackieren. Genau dort zeigt sich, dass Packing eine taktische Wirkung beschreiben kann, nicht bloß eine Statistik für spektakuläre Pässe.
Der Pass zwischen die Linien
Ein Zehner positioniert sich hinter der gegnerischen Mittelfeldreihe. Der Innenverteidiger findet ihn mit einem präzisen Zuspiel. Der Empfänger nimmt den Ball mit dem ersten Kontakt nach vorn mit und hat nun mehrere Optionen.
- Er kann den Flügelspieler in den Lauf schicken.
- Er kann den nachrückenden Achter einsetzen.
- Er kann selbst in Richtung Strafraum dribbeln.
Der Pass ist deshalb wertvoll, weil er mehrere Verteidiger aus dem direkten Zugriff nimmt und zugleich die nächste Aktion vorbereitet. Ein Packing-Wert ohne diese Anschlussinformation würde nur die halbe Geschichte erzählen.
Das erfolgreiche Dribbling
Auch ein Dribbling kann Gegenspieler überspielen. Ein Flügelspieler zieht von außen nach innen, lässt seinen direkten Gegenspieler stehen und bindet anschließend den zweiten Verteidiger. Selbst wenn kein Torabschluss folgt, kann dadurch eine Überzahlsituation im Zentrum entstehen.
Das Risiko ist allerdings höher als bei einem kurzen Pass. Geht der Dribbler verloren, kann die eigene Mannschaft in der Vorwärtsbewegung offen sein. Hoher Packing-Wert und hohe Entscheidungsqualität sind deshalb nicht automatisch dasselbe.
Was Packing nicht messen kann
Die Kennzahl ist nützlich, aber sie bewertet nicht die komplette Qualität eines Spielers. Ein Innenverteidiger kann viele Gegner mit Pässen überspielen und trotzdem mehrfach gefährliche Ballverluste verursachen. Ein anderer Spieler erzielt vielleicht einen niedrigeren Wert, hält dafür aber in engen Situationen zuverlässig den Ball.
Auch die Position beeinflusst die Zahlen stark. Ein zentraler Spielmacher hat mehr Möglichkeiten für linienbrechende Pässe als ein Außenverteidiger, der häufig breit bleibt und das Spiel verlagert. Ein direkter Vergleich ohne Berücksichtigung von Position, Spielstil und Mannschaftsaufgabe führt daher schnell zu falschen Schlüssen.
| Frage | Was Packing zeigt | Was zusätzlich nötig ist |
|---|---|---|
| Wie viele Gegner wurden überspielt? | Die direkte Wirkung der Aktion | Position und Anzahl der Gegenspieler |
| War der Pass erfolgreich? | Ob der Empfänger den Ball erhielt | Ballkontrolle und Qualität des ersten Kontakts |
| Entstand eine Torchance? | Den möglichen Raumgewinn | Anschlussaktionen und Abschlussqualität |
| War die Entscheidung sinnvoll? | Die statistische Durchschlagskraft | Spielstand, Risiko, Gegnerdruck und Absicherung |
Mein wichtigster Hinweis lautet deshalb: Packing eignet sich nicht als alleinige Rangliste. Die Zahl wird stark, wenn sie mit Videoanalyse verbunden wird. Erst die Szene zeigt, ob ein Pass wirklich einen Vorteil geschaffen hat oder nur zufällig mehrere Spieler hinter dem Ball zurückließ.
Wie sich Packing im Training nutzen lässt
Das Konzept kann auch auf dem Trainingsplatz helfen, weil es eine abstrakte taktische Idee greifbar macht. Ich nutze dafür gern kleine Spielformen mit klaren Zonen, in denen nicht jeder Vorwärtspass gleich bewertet wird, sondern nur das Überspielen einer gegnerischen Linie einen zusätzlichen Anreiz erhält.
Eine einfache Spielform
In einem Feld von etwa 20 mal 25 Metern spielen vier gegen vier mit drei neutralen Spielern. Das angreifende Team erhält einen Zusatzpunkt, wenn ein Pass einen Gegenspieler überspielt und der Empfänger anschließend kontrolliert aufdrehen oder weiterspielen kann.
Die Regel belohnt nicht blindes Risiko. Ein schwieriger Ball nach vorn bringt keinen Vorteil, wenn er sofort verloren geht. Entscheidend sind Vororientierung, Passschärfe, Körperstellung und Anschlussbewegung.
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Coachingpunkte für Spieler
- Vor dem ersten Kontakt Schulterblick und freie Räume prüfen.
- Den Passempfänger so anspielen, dass er möglichst offen zum Tor steht.
- Gegner im Rücken des Empfängers durch Abstände und Passwinkel vermeiden.
- Nach einem linienbrechenden Pass sofort eine neue Anspielstation schaffen.
- Bei fehlender Absicherung nicht jeden Ball vertikal erzwingen.
Für Trainer ist besonders hilfreich, nicht nur die Anzahl überspielter Gegner zu zählen. Ich frage nach einer Szene lieber, welcher Raum danach frei wurde und ob die Mannschaft ihn genutzt hat. Dadurch wird Packing zu einem Lernwerkzeug für Entscheidungen und nicht zu einem Selbstzweck.
Die sinnvollste Einordnung für Spieler und Trainer
Packing beschreibt, wie wirkungsvoll eine Aktion die gegnerische Ordnung durchbricht. Ein hoher Wert spricht für vertikales, mutiges und raumgewinnendes Spiel, sagt aber allein noch nichts über die vollständige Qualität eines Angriffs aus.
Wer die Kennzahl richtig nutzt, betrachtet drei Dinge gemeinsam: überspielte Gegner, gewonnener Raum und die nächste Aktion. So bleibt die Statistik dort, wo sie hingehört, nämlich als präzise Ergänzung zur taktischen Analyse und nicht als Ersatz für das Verständnis des Spiels.
